Interview mit der Rheinpfalz zu den Baumfällungen im Stadtwald / Irmgard Münch-Weinmann

DIE RHEINPFALZ Interview – Fragen von Patrick Seiler

 

  • Was muss aus Ihrer Sicht konkret anders laufen als bisher?

Der Wert des Waldes ist aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Der Nutzen der Bäume überwiegt die Kosten und den Aufwand um ein Vielfaches.

  • Woher kommt Ihr Misstrauen in die Stadt hinsichtlich des Umgangs mit dem Wald?

Die bisherige Vorgehensweise der Beigeordneten ist nicht in Ordnung: Im April haben die GRÜNEN die Anfrage zum Stadtwald gerichtet (siehe Anlage 1), in der Sitzung kam das Angebot einer Vorortbegehung. In der Umweltausschusssitzung im September sprachen wir dies nochmals an. Daraufhin wurde nochmals ein Termin zugesagt, der dann auch am Freitag, 19.10.2018 anstand.

Das Ärgerliche: Bereits eine Woche zuvor wurde mit den Fällarbeiten begonnen. Ein Harvester, der mit Dieselöl durch den Wald fährt schafft Fakten. Die Vorortbegehung selbst fand ich im Ansatz gut, jedoch zu spät und der Förster hat nicht die Stellen gezeigt, an denen die meisten Bäume gefällt werden.

  • Haben normale Rats- und Ausschussmitglieder überhaupt die Expertise, um Forst-Fachleute zu kontrollieren?

Ihre Frage wäre bei allen Themen, die den Stadtrat und die Ausschüsse betreffen, zu stellen. Als gewählte Stadträtin erwarte ich fachkundiges Input von Seiten der Verwaltung und dem Forst. Ich möchte als GRÜNE verantwortlich eine politische Entscheidung treffen. Dabei geht es mir um eine nachhaltige Entwicklung in Speyer und um die Menschen, die den Wald in Speyer-West gerne nutzen. Hier möchte ich auf die Kita-Waldgruppen erwähnen, in denen schon kleine Kinder ein Naturerlebnis vermitteln.

  • Können Sie der geäußerten Erfolgsbilanz der Stadt auch etwas abgewinnen?

Welche Erfolgsbilanz? Für mich geht es um die Wertschätzung von Umwelt und Klima. Hier sehe ich enormen Nachholbedarf. Daher ist der Wald in SP-West zu erhalten. Die vielen Markierungen an den Bäumen, die gefällt werden sollen, gruseln mich. In den nächsten Jahrzehnten ist eine große Lücke zu befürchten. Besonders alte Bäume sind zu erhalten.

  • Wie soll sich der Stadtwald aus Ihrer Sicht entwickeln?

Mein Ziel ist, weg von bisherigen Wirtschaftswald, der einen Holzwert zum Verkauf im Blick hat. Denn Bäume haben mehr zu bieten: Bereitstellung von Sauerstoff, Schattenspender, Aufenthaltsort für Menschen, Förderung von Bodenlebewesen, Filterung von Staub. Der ökologische Mehrwert mit den Auswirkungen auf den Immissionsschutz vor Ort, Biodiversität sowie Klima- und Naturschutz sind bei einer Gesamtbilanz aufzunehmen.

 

20.10.2018 Irmgard Münch-Weinmann Fraktionsvorsitzende BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN

Verwandte Artikel